Der Rotstift

Junglehrer: Enzenhofer für mehr Stunden bei mehr Geld

24. Februar 2011

 

Junglehrer: Enzenhofer für mehr Stunden bei mehr Geld
 
Eine höhere Lehrverpflichtung könne für Junglehrer durchaus attraktiv sein, wenn diese mit mehr Gehalt einhergeht, sagt der oberösterreichische Landesschulratspräsident.
 
Oberösterreichs Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer (ÖVP) will das Ausmaß der Lehrverpflichtung diskutieren. Er kann sich vorstellen, dass Junglehrer mehr Stunden unterrichten - wenn dies mit einer flacheren Gehaltskurve einhergeht. Das würde seiner Meinung nach auch helfen, den akuten Lehrermangel auszugleichen.

Es könne für die Jungpädagogen durchaus attraktiv sein, eine höhere Lehrverpflichtung zu haben, die wie ein normales Gehalt 14 Mal ausbezahlt werde, sagte Enzenhofer am Donnerstag. Um wie viele Stunden es sich handle, darauf müsse man sich einigen. Im Gespräch mit "Life Radio Oberösterreich" hatte Enzenhofer zuvor gefordert, die Lehrverpflichtung um fünf Stunden zu erhöhen.
 
"Junge werden Überstunden halten"
Der Lehrerbedarf sei da. "Die Jungen werden Überstunden halten, und es ist nicht fair, ihnen das als Überstunden maximal zehnmal pro Jahr auszuzahlen", so der Landesschulratspräsident. Man müsse flexibler denken - auch in die andere Richtung. Wenn ein Pädagoge nicht mehr als 21 Stunden unterrichten wolle, müsse man sein Gehalt analog zum neuen System berechnen.

Enzenhofer will seinen Vorschlag aber in Zusammenhang mit einer flacheren Gehaltskurve sehen. Diese wird im Rahmen der Verhandlungen über das neue Lehrerdienst- und Besoldungsrecht ohnehin neu verhandelt werden.
(Die Presse vom 10.2.2011)
 
Only 5 hours more? (Eine Replik)
Bei Claudia Schmieds Vorschlag, die Lehrverpflichtung um 2 Stunden zu erhöhen, läuteten noch die Alarmglocken bei allen Lehrenden. Nicht zuletzt die lautstarken Proteste beim BSA/FSG-Landestag im Brucknerhaus erzwangen ihren Rückzieher.
Bei den Ideen von Oberösterreichs oberstem Pädagogen geht es schon etwas ruhiger zu. Was hier Fritz Enzenhofer vorschlägt, ist aber nichts anderes als eine 2,5-fache Steigerung von Claudia Schmieds Ideen, verbunden mit der Bestrafung von „Arbeitsunwilligen“, denen 21 Stunden schon ausreichend erscheinen. Die AHS-Gewerkschaft hat bereits energisch protestiert.
Der Verdacht, dass hier neue Sparmodelle unters Volk geworfen werden, drängt sich auf. Woher soll das Geld kommen, um Lehrkräfte in jungen Jahren höher zu besolden, um die fünf Enzenhofer-Stunden besser als jetzige MDL-Stunden zu dotieren oder um die NMS flächendeckend einzuführen?
Aber halt, wenn wirklich der Goldesel plötzlich von Finanzminister Pröll losgeschickt wurde, um über die Schulen sein Füllhorn auszuleeren, hätten Enzenhofers Ideen auch Pluspunkte aufzuweisen:
Für Vertragsbedienstete, die ja im Gegensatz zu Beamten keine Nebengebührenwerte lukrieren können, wären die heutigen 5-MDL dann als normale Unterrichtsstunden pensionswirksam. Die Erhöhung der Anfangsgehälter könnte in einer Besoldungsreform noch höher ausfallen. Die Attraktivität des Lehrberufs würde sich erhöhen, der Lehrkräftemangel   ließe sich dadurch abfedern.
Doch wie schon die Bankenkrise gezeigt hat, ist der Glaube an die florierende Geldvermehrung eine Illusion. Und ich habe den Verdacht, dass Enzenhofers nette Verpackung (wie bei jedem Geschenk) alsbald entsorgt wird. Was bleiben wird, sind ausgepowerte Lehrerinnen und Lehrer, deren Ansuchen um Teilzeit oder eine Sabbatical-Auszeit leider abgelehnt werden muss, weil die Stunden für die erkrankten, kurenden oder ausgebrannten Kolleginnen und Kollegen gehalten werden müssen.
 
Rudi Rebhandl

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