Der Rotstift

Praher blickt stolz zurück: „Da haben wir etwas geschaffen“

11. Januar 2011

 

ROHRBACH. Kaum einer hat den berufsbildenden Schulen Rohrbach seinen Stempel so aufgedrückt wie Franz Praher. Die OÖN sprachen am ersten Tag seiner Pension mit einem stolz zurückblickenden Direktor.
OÖN: Für viele kam Ihre Entscheidung, in den Ruhestand zu gehen, doch überraschend.
Franz Praher: Naja, im Vorjahr gab es gesundheitliche Warnschüsse. Man muss die Zeit erkennen und aufhören, so lange man noch was hat von der Pension.
OÖN: Wie fühlt man sich am ersten Tag im Ruhestand?
Praher: Ich kam heute zum Interviewtermin in die Schule und stellte mich erstmals auf den Besucherparkplatz. Aber ich bin immer noch überwältigt von der wirklich emotionalen Verabschiedungsfeier. Ich freue mich auf die kommende Zeit.
OÖN: Sie waren seit 1979 an der Schule, fast 19 Jahre Direktor. Wie haben Sie die Schule damals erlebt?
Praher: Es war eine gute Schule, aber eine andere Zeit. Autonomie kannte man nicht, alle Handelsakademien in Österreich waren gleichgeschaltet. Man war als Direktor mehr Verwalter als Gestalter – sogar die Bleistifte wurden direkt über das Land eingekauft. Eine Kollegin und ich machten einmal mit den Schülern ein Kochbuch – das wurde von meinem Vorgänger geduldet, im Grunde war es aber eine illegale Abweichung vom Lehrplan.
OÖN: Das passt ja gar nicht zu dem Franz Praher, den man heute kennt.
Praher: Natürlich nicht, darum war es für uns ein Segen, als Minister Scholten Anfang der Neunziger erstmals Autonomie in den Lehrplänen zuließ und wir auch ein Budget zu verwalten hatten.
OÖN: Wie haben Sie darauf reagiert?
Praher: Ich hatte immer großartige Mitarbeiter und wir haben Arbeitskreise gebildet. Das war schon eine Aufbruchsstimmung. Wir hatten als erste Schule so etwas wie ein Vorlesungsverzeichnis. Die Schüler konnten auf einmal selbst Schwerpunkte in ihrer Ausbildung setzen.
OÖN: IT und Multimedia waren Ihre ständigen Begleiter. Warum spielten die neuen Technologien in Rohrbach eine größere Rolle als anderswo?
Praher: Tim Berners-Lee legte rund um 1990 mit HTML den Grundstein für das Internet wie wir es heute kennen und wir sind sofort auf diesen Zug aufgesprungen. Bis heute sind wir auf diesem Gebiet eine der führenden Schulen in Österreich. Auch international brauchen wir uns nicht verstecken.
OÖN: Haben diese Entwicklungen im Kollegium alle mitgetragen?
Praher: Es gab natürlich Kollegen, die waren mehr begeistert als andere. Als junger Direktor konnte es mir nicht schnell genug gehen. Da kommt es vor, dass man Kollegen verliert. Dann muss man ein Stück des Weges zurück gehen und die Leute dort abholen, wo sie stehen.
OÖN: Neue Technologien verlangen auch nach neuen Unterrichtsmethoden. Wie haben Sie das gemeistert?
Praher: Ich sagte einmal in einem Interview ‘Die Qualität einer Schule wird an der Qualität des Backbones gemessen’. Dafür steckte ich viel Kritik aus dem Kollegium ein. Natürlich kann dieser Satz nicht alleine stehen, denn es braucht immer Lehrkräfte, die auch das entsprechende Wissen vermitteln können. Ich bin überzeugt, dass die berufsbildenden Schulen trotz des hohen technischen Standards immer menschliche Schulen waren. Das war nur dank hervorragender Lehrer möglich.
OÖN: An Ihrem ersten Tag als Pensionist können Sie also stolz auf Ihr Wirken als Direktor zurück blicken.
Praher: Absolut. Ich war immer gerne Lehrer und Schulleiter. Wenn ich mir die BBS ansehe kann ich sagen ‘da haben wir etwas geschaffen’. Die Schule ist beispiellos in Österreich und ist eine Vorzeigeschule des Ministeriums.
OÖN: Wenn Sie eine Prognose abgeben müssten, wo sehen Sie die berufsbildenden Schulen in 20 Jahren?
Praher: Ich hoffe, dass uns die berufsbildenden Schulen auch in Zukunft noch erhalten bleiben, denn diese gibt es ja fast nur in Österreich. Sie sind Garant für eine gute Ausbildung und – was man nicht vergessen darf – auch ein Garant für eine niedrige Jugendarbeitslosigkeit. In Zukunft muss sich das System immer mehr auf das lebenslange Lernen einstellen und noch näher an die Praxis heran rücken. Die Schüler aus der HAK, HLW, FW oder der HAS können schon am ersten Tag nach der Schule in den Beruf einsteigen.
OÖN: Wie werden Sie Ihren Ruhestand verbringen, was haben Sie vor?
Praher: Die vergangenen Jahre ist schon einiges liegen geblieben. Die Pension möchte ich so aktiv wie möglich erleben. Ich möchte mich weiter einbringen und für die Region arbeiten. Konkrete Vorstellungen oder Pläne habe ich aber noch nicht.
 
OÖN vom 3.12.2010 / Thomas Fellhofer

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