Ein Maturatest für alle
18. Mai 2010
Zentralmatura. Sie kommt erst 2013/2014, aber an 90 Prozent der AHS gibt es sie schon heuer unter echten Wettkampfbedingungen.
Zwei Wochen vor dem Maturatermin wurden die geheimnisvollen Pakete bereits unter hohen Sicherheitsstandards an die Gymnasien geliefert und landeten nach einer kurzen Kontrolle gleich im Schulsafe. Am Tag der schriftlichen Matura werden die Pakete vom Direktor geöffnet, die Schüler bekommen ihre Aufgabenhefte für die Englisch-, Französisch-, Spanisch- oder Italienischmatura. Die Hefte sind für alle teilnehmenden Schulen gleich.
Die Zentralmatura wird im Schuljahr 2013/14 für alle heimischen Gymnasien kommen. Aber eigentlich ist sie schon da. Dies, obwohl das Gesetz erst am 17. November 2009 beschlossen wurde. Mehr als 90 Prozent der 340 AHS nehmen heuer bereits am Schulversuch zur standardisierten, kompetenzorientierten Reifeprüfung – vulgo Zentralmatura – in einem Teilbereich teil. 15.300 Maturanten arbeiten dabei schon unter echten Wettkampfbedingungen: Das Ergebnis fließt in die Maturanoten ein. Den Lese- und/oder den Hörteil der schriftlichen Fremdsprachenmatura bekommen die teilnehmenden Schulen vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) geliefert.
Die Schulen erhalten dassel-
be Aufgabenpaket, Schwerpunkte der Schule spielen im schriftlichen Teil keine Rolle. „Wir müssen die Prüfungsaufgaben lehrplankonform erstellen“, sagt Bifie-Direktor Josef Lucyshyn im SN-Gespräch. In den lebenden Fremdsprachen haben die Schüler das Niveau B des gemeinsamen Europäischen Sprachreferenz rahmens zu erreichen. Auf dieses Niveau sind die Aufgaben geeicht.
be Aufgabenpaket, Schwerpunkte der Schule spielen im schriftlichen Teil keine Rolle. „Wir müssen die Prüfungsaufgaben lehrplankonform erstellen“, sagt Bifie-Direktor Josef Lucyshyn im SN-Gespräch. In den lebenden Fremdsprachen haben die Schüler das Niveau B des gemeinsamen Europäischen Sprachreferenz rahmens zu erreichen. Auf dieses Niveau sind die Aufgaben geeicht.
Um 13.00 Uhr des Prüfungstages werden für die Lehrer die Lösungen freigeschaltet. Sie bekommen auch den Korrekturschlüssel. Subjektiver Bewertungsspielraum wird ausgeschaltet. Die Bewertung durch die Lehrer wird stichprobenartig kontrolliert.
In der Schulversuchsphase müssen wegen der Schulzeitgesetze drei Termine aufwendig mit qualitätsgesicherten Aufgaben bedient werden. Ab dem Schuljahr 2013/2014 gibt es an den AHS nur mehr einen Termin in ganz Österreich pro Fach. Schriftlich wird es die zentral vorgegebenen Aufgaben in den lebenden Fremdsprachen, Mathematik, Deutsch sowie Griechisch und Latein geben.
Eine mündliche Verbesserungsmöglichkeit bei einem schriftlichen „Nicht Genügend“ hatten die Experten nicht vorgesehen. Die Politik reklamierte aber eine mündliche „Kompensationsprüfung“ ins Gesetz. Man kann aber auch im Herbst zum Wiederholungstermin antreten. Zudem müssen künftig als Teil der Matura alle Schüler eine vorwissenschaftliche Arbeit verfassen und diese präsentieren. Auch die mündliche Matura wird anders ablaufen, nicht nur weil ein zweiter Fachprüfer bei jeder Prüfung und deren Benotung dabei sein wird. Für die mündliche Matura werden an der Schule pro Fach bis zu 25 Themenpools entwickelt. Hier könnten die Schulen ihre autonomen Schwerpunkte voll einbringen. Der Prüfling kann zwei Themenpools ziehen und davon einen abwählen.
Schwierig wird die Umstellung bei den BHS, die ein Jahr später, also 2014/2015, mit der Zentralmatura starten sollen. Denn statt drei Lehrplänen für Gymnasien gibt es 400 verschiedene. Grundsätzlich gibt es auch an den BHS einheitliche schriftliche Aufgaben. An einer Reihe von BHS wird es bei der schriftlichen Matura aber zwangsläufig Differenzierungen geben müssen. HTL-Schüler werden bei der Mathematikmatura andere Aufgaben erhalten als angehende Kindergärtner oder Tourismusschüler. Mündlich bleibt die Aufgabenstellung an den BHS in Verantwortung der Lehrer.
Alle Aufgaben sind zuvor in zwei Feldtests an Pilotschulen von 2000 Schülern getestet und von Expertenteams überprüft worden. Die Lehrer bekommen auf der Bifie-Homepage sämtliche Aufgaben früherer Prüfungstermine, Lösungen und Bewertungsschlüssel und weitere prototypische Beispiele freigeschaltet. Lucyshyn: „Allein für Mathematik sind schon mehr als 200 kompetenzorientierte Aufgabenbeispiele freigeschaltet“ – und dies aufbauend von der 5. bis zur 8. Klasse.
Zudem bekommen die Lehrer Unterstützung, wie sie ihren Unterricht weg von Stoff- und Wissensvermittlung hin zu Verständnis und der Vermittlung von Lösungskompetenz umstellen können. Denn bei der neuen Matura sei nicht das Wiedergeben von Wissen das Entscheidende, sondern das Anwenden von Wissen in neuen Aufgabenstellungen. Es gehe schließlich darum, dass die Schule die Schüler, die sie jetzt ausbilde, mit Grundkompetenzen ausstatte, die sie befähigten , ein Leben lang weiterzulernen.
Salzburger Nachrichten, 12. Mai 2010
