Bildungsreformen in der EU werden 2010 nicht erreicht.
27. November 2009
27. November 2009
Sefcovic: Fortschritte, "aber es reicht nicht" - Österreich mit durchwachsenen Ergebnissen
Die EU wird ihr für 2010 selbstgestecktes Ziel von Bildungsreformen in fünf Schlüsselbereichen nicht erreichen. Bildungskommissar Maros Sefcovic erklärte am Mittwoch in Brüssel, es habe zwar Fortschritte in einigen Bereichen gegeben, "die sind sichtbar und wichtig, aber es reicht nicht". Trotzdem dürfe man sich "nicht entmutigen lassen, wir müssen noch härter arbeiten".
Konkret geht es um fünf Hauptindikatoren. Nur bei der angestrebten Erhöhung der Zahl der Absolventen in Mathematik, Naturwissenschaften und Technologie sei es gelungen, das gesteckte Ziel eines Zuwachses von 15 Prozent deutlich mit 33,6 Prozent EU-weit zu übertreffen. Österreich liegt hier mit 54,6 Prozent deutlich über dem Schnitt, wobei allerdings Portugal (plus 164,0 Prozent), die Slowakei (129,9) und Polen (123,3 Prozent) an der Spitze liegen. Nachzügler ist Irland, das sogar ein Minus von 3,6 Prozent im Referenzzeitraum 2000 bis 2007 hinnehmen musste. Frankreich kommt lediglich auf eine Verbesserung um 7,4 Prozent.
Österreich steigt allerdings beim Frauenanteil in Mathematik, Naturwissenschaften und Technologie am zweitschlechtesten aus. Hier gab es lediglich einen Anteil an Absolventinnen von 23,8 Prozent, niedriger war der Wert nur bei den Niederlanden mit 18,9 Prozent. Der EU-Schnitt lag 2007 bei 31,9 Prozent. Spitzenreiter ist hier Griechenland (44,2 Prozent bei weiblichen Absolventen), Rumänien (40,4) und Bulgarien (39,3).
Ein weiterer Schlüsselfaktor war das Lebenslange Lernen. Hier wird das Ziel von 12,5 Prozent durchschnittlicher Beteiligung in der EU 2010 deutlich verfehlt, sagte Sefcovic. 2000 hatte der Anteil 7,1 Prozent betragen, 2008 kletterte er lediglich auf 9,5 Prozent. Besonders schlecht steht es weiterhin bei der Lesekompetenz der 15-Jährigen. Hier kam es - wie schon in der PISA-Studie festgestellt - zu einer Verschlechterung von 21,3 Prozent Leseschwachen im Jahr 2000 auf 24,1 Prozent in 2006. Neuere Zahlen lagen hier nicht vor, Sefcovic sprach von "alarmierenden" Ergebnissen. Österreich liegt hier zwar mit 21,5 Prozent unter dem EU-Schnitt von 24,1 Prozent, ist aber ebenfalls vom Ziel 2010 entfernt, auf maximal 20 Prozent zu kommen.
Bei den Schulabbrechern werde es ebenfalls nicht gelingen, bis 2010 auf das gesteckte Ziel von maximal zehn Prozent zu kommen. Der EU-Schnitt lag hier 2008 immer noch bei 14,9 Prozent. Der Wert für Österreich lautet 10,1 Prozent. Schließlich gab es beim Anteil der 22-Jährigen, die zumindest einen Schulabschluss (Sekundarstufe II) haben, mit nur 78,5 Prozent 2008 auch nicht das gewünschte Zwischenergebnis. Das EU-Ziel für 2010 lautete 85 Prozent.
Sefcovic forderte die EU-Staaten auf, gezielter in die Bildungssysteme zu investieren, um die Europäer besser auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten.

