Schon 500 Neue Mittelschulen geplant
9. November 2009
Vor einem Jahr noch umstritten, jetzt heiß begehrt. Fast alle Bundesländer fordern vom Bildungsministerium mehr Neue Mittelschulen, berichtet die Tageszeitung ÖSTERREICH. Jetzt zeichnet sich eine Verdoppelung der bisher 244 Standorte auf gesamt fast 500 ab.
Bis 27. November können die Länder neue Projektanträge für die Neue Mittelschule (NMS) einbringen. "Wir kommen sicher weit über die bundesweite Zehnprozent-Hürde, wahrscheinlich an die 20 Prozent", heißt es aus dem Bildungsministerium.
Ärger in OÖ, Tirol, Kärnten
Insgesamt werden derzeit etwa 245 Anträge vorbereitet. Besonders groß ist die Nachfrage in Tirol, Oberösterreich, Niederösterreich und Kärnten. Tirol bereitet 51 Anträge vor, Kärnten 30, Niederösterreich 100 bis 120, Salzburg 3 bis 4, die Steiermark 2 bis 3, Wien 3 bis 4. Oberösterreich will 56 Anträge einreichen, aber das Ministerium wolle nur 20 genehmigen, ärgert sich der oberösterreichische Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer. Vorarlberg und das Burgenland liegen derzeit schon weit über der 10-Prozent-Grenze und wollen erst wieder aktiv werden, wenn diese Hürde fällt.
Wie viele der Neuen Mittelschulen genehmigt werden, steht jetzt in den Sternen. Denn die Zahl der Schulversuche ist in Österreich mit zehn Prozent gedeckelt. Die von der ÖVP geforderte Reglementierung könnte nun aber fallen. "Die Prozent-Klausel ist doch keine heilige Kuh," sagte etwa der Tiroler Landesschulinspektor Reinhold Wöll, berichtet ÖSTERREICH.
Neue Mittelschule: Schulversuchs-Plätze werden rar
Die Plätze für die Teilnahme von Schulen am Schulversuch "Neue Mittelschule" (NMS) werden rar. Grund ist die im Gesetz verankerte Zehn-Prozent-Klausel, die vorsieht, dass bundesweit maximal zehn Prozent der Pflichtschulen in NMS umgewandelt werden dürfen. Diese Grenze wird im nächsten Schuljahr jedenfalls erreicht sein, hieß es aus dem Unterrichtsministerium. Mittlerweile streiten die Bundesländer, wer noch "hineinrutscht".
Im laufenden Schuljahr besuchen rund 20.000 Schüler in ca. 800 Klassen an 244 Standorten das neue Schulmodell. Da laut Gesetz bundesweit maximal zehn Prozent der Pflichtschulen in NMS umgewandelt werden dürfen, ist nun nur mehr Platz für knapp 300 weitere NMS-Klassen. Anträge können noch bis Ende November gestellt werden.
Der oberösterreichische SP-Klubobmann Karl Frais sah in einer Aussendung etwa Schulversuchs-Anträge in Oberösterreich gefährdet. Grund: Obwohl Oberösterreich mit allen Anträgen landesweit unter zehn Prozent bleiben würde, könnten dennoch zahlreiche Ansuchen abgelehnt werden, weil Vorarlberg bereits weit über zehn Prozent liegt. Das Ministerium stelle nun zusätzliche Kriterien wie die Kooperation mit einer AHS oder das Angebot einer ganztägigen Schulform auf, kritisierte Frais.
Im Unterrichtsministerium betonte man, dass man für eine Aufhebung der Zehn-Prozent-Klausel offen sei - dafür sei aber auch die Zustimmung der ÖVP nötig. Zusätzlich müssten die finanziellen Mittel für die Schulversuche erhöht werden. Solange die Klausel gelte, müsse man aber natürlich auswählen, welche Schulen für den Schulversuch besser geeignet seien: "Nicht jede Schule kann Neue Mittelschule werden."


